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AnamneseArchiv der Psychologie

Mindestens zwei Zeichen

Ordner 03 / 10 · drei Akten · 1912–1939

Gestalt & Feld

Gegen die Zergliederer trat um 1912 eine Berliner Schule an, deren Parole in einem Satz passt: Das Ganze ist etwas anderes als die Summe seiner Teile. Wertheimer zeigte an zwei blinkenden Linien, dass man Bewegung sehen kann, wo sich nichts bewegt; Köhler sah auf Teneriffa Schimpansen Probleme durch Einsicht lösen statt durch Versuch und Irrtum; Lewin verpflanzte den Gestaltgedanken vom Sehen aufs Handeln und machte aus Person und Umwelt ein Feld aus Kräften.

Die Schule wurde 1933 auseinandergesprengt und wanderte fast geschlossen nach Amerika — dorthin, wo der Behaviorismus regierte und für Ganzheiten wenig Verwendung hatte. Ihre Begriffe überlebten die Schule: Die Gestaltgesetze stehen in jedem Wahrnehmungskapitel, die Einsicht in jedem Denkkapitel, und Lewins Feldtheorie wurde zur Gründungsurkunde der modernen Sozial- und Organisationspsychologie.

Für das Archiv ist dieser Ordner der Fall einer doppelten Emigration: erst über den Atlantik, dann aus der Schule in den Werkzeugkasten des Fachs.

  1. Akte 020Max WertheimerExperimentelle Studien über das Sehen von Bewegung (1912)Repliziert
  2. Akte 021Kurt LewinPatterns of aggressive behavior in experimentally created social climates (1939)Teilweise repliziert
  3. Akte 022Wolfgang KöhlerIntelligenzprüfungen an Menschenaffen (1917)Teilweise repliziert