Ordner 06 / 10 · vier Akten · 1974–1992
Kognitionspsychologie
Mitte der 1950er-Jahre kehrten die verbotenen Themen zurück. Der Anlass war weniger ein Streit als ein Werkzeug: Der Computer lieferte ein Vokabular, mit dem sich über innere Vorgänge sprechen ließ, ohne sie erleben zu müssen — Eingabe, Speicher, Verarbeitung, Ausgabe.
Damit war die Sperre des Behaviorismus umgangen. Man muss einen Gedanken nicht introspektiv beobachten, um ihn zu messen; Reaktionszeiten, Fehlermuster und später bildgebende Verfahren machen ihn von außen sichtbar. Ulric Neisser gab dem Programm 1967 seinen Namen und neun Jahre später seine erste Selbstkritik.
Die drei Akten dieses Ordners handeln von derselben Beobachtung aus drei Richtungen: Menschen sind sich ihrer Urteile sicherer, als es die Sache hergibt. Bei Erinnerungen an Katastrophen, bei Entscheidungen unter Risiko und bei Zeugenaussagen vor Gericht — dreimal fällt die Sicherheit höher aus als die Treffsicherheit.