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AnamneseArchiv der Psychologie

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Akte 011 · Sozialpsychologie

Solomon Asch

Aschs Vergleichskarten: eine Standardlinie und drei Vergleichslinien, B ist die richtige
Die Vergleichskarten, 1951 — kein freies Porträt vorhanden

Abb. 1 — Zeichnung des Archivs · frei verwendbar


Solomon Eliot Asch wurde am 14. September 1907 in Warschau geboren — damals Russisches Kaiserreich, und die Anekdote, die er selbst über seinen ersten Begriff von sozialer Wirkung erzählte, stammt aus einem Sederabend der Kindheit: Der Junge sah das für den Propheten Elija eingeschenkte Glas und glaubte, den Wein tatsächlich weniger werden zu sehen, weil der Onkel sagte, gleich nehme der Prophet einen Schluck. Der spätere Erforscher der Frage, was der Glaube der Umgebung mit der eigenen Wahrnehmung macht, führte seine Laufbahn gern auf dieses Glas zurück.

1920, nach Krieg und Umbruch, wanderte die jüdische Familie in die Vereinigten Staaten aus und ließ sich in der Lower East Side von New York nieder. Der Dreizehnjährige kam ohne Englisch an und lernte die Sprache nach eigener Auskunft wesentlich über die Lektüre von Dickens. Er studierte am City College of New York und promovierte 1932 an der Columbia University bei Gardner Murphy — mit einer unauffälligen Arbeit, die noch nichts von dem ahnen ließ, was er werden würde: der amerikanische Statthalter der Gestaltpsychologie.

Prägend wurde die Begegnung mit Max Wertheimer, der 1933 vor den Nationalsozialisten in die USA emigrierte und an der New School in New York lehrte. Von der Gestaltpsychologie übernahm Asch die Grundannahme, dass Wahrnehmung und Urteil ganzheitlich organisiert sind und nicht als Summe von Einzelreizen erklärt werden können — und die Überzeugung, dass Menschen im Kern auf Wahrheit hin gebaut sind. Sein Lehrbuch Social Psychology von 1952 ist das Manifest dieser Haltung: Sozialpsychologie als Wissenschaft von Menschen, die einander verstehen wollen, nicht als Katalog ihrer Manipulierbarkeit. Die Ironie, dass ausgerechnet dieser Mann die berühmteste Konformitätsstudie des Jahrhunderts lieferte, hat er selbst am deutlichsten empfunden.

In den Kriegsjahren arbeitete Asch an einer Frage, die sein späteres Programm vorwegnahm: der Wirkung von Prestige auf das Urteil. Die gängige Deutung — Menschen übernähmen eine Aussage blind, wenn ein großer Name darunterstehe — wies er experimentell zurück: Nicht das Urteil ändere sich, sondern der Gegenstand; derselbe Satz bedeute etwas anderes, je nachdem, ob Jefferson oder Lenin ihn gesagt haben soll. Die Unterscheidung zwischen einer Änderung im Urteil und einer Änderung des Beurteilten blieb sein Denkwerkzeug — und sie kehrt in der Linienstudie wieder: Asch wollte wissen, was genau nachgibt, wenn jemand nachgibt.

Bereits 1946 hatte er mit den Arbeiten zur Eindrucksbildung ein zweites einflussreiches Forschungsfeld eröffnet: Er zeigte mit schlichten Eigenschaftslisten, dass einzelne zentrale Eigenschaften — etwa warmherzig oder kühl — den Gesamteindruck einer Person umorganisieren, statt nur einen weiteren Baustein hinzuzufügen, und dass die Reihenfolge der Information den Eindruck färbt. Die moderne Personenwahrnehmung und die Stereotypenforschung führen diese Aufsätze als Gründungsdokumente.

Ab 1947 lehrte er am Swarthmore College, dem kleinen Quäker-College bei Philadelphia, an dem sich die emigrierte Gestaltpsychologie um Wolfgang Köhler sammelte. Dort entstanden ab 1951 die Konformitätsexperimente mit Linienvergleichen — gedacht als Nachweis menschlicher Unabhängigkeit, gelesen als Beweis des Gegenteils. Zu seinen Hörern und Mitarbeitern gehörte der junge Ulric Neisser; Ende der 1950er-Jahre arbeitete Stanley Milgram in Harvard und Princeton als sein Assistent — die Weitergabe der Versuchslogik von der irrenden Mehrheit zur anweisenden Autorität ist eine der direktesten Erbfolgen des Fachs.

Asch selbst zog sich vom Rummel um seine berühmte Studie zunehmend zurück. Er leitete in den 1960er-Jahren ein eigenes Institut an der Rutgers University, lehrte ab 1972 an der University of Pennsylvania und arbeitete an Fragen, die ihm näher lagen als die Konformität: Metaphern über Sprachen hinweg, das Bilden von Assoziationen, die Einheit der Person. Die große Summe seines Spätwerks blieb ungeschrieben; Kollegen beschreiben einen skrupulösen, langsamen Arbeiter, dem das Veröffentlichen widerstrebte und der die Popularisierung seiner Linien-Studie mit wachsender Distanz betrachtete.

Ehrungen nahm er entgegen, wie er publizierte: spät und zurückhaltend — darunter die Auszeichnung der American Psychological Association für herausragende wissenschaftliche Beiträge. Der Satz, mit dem sein berühmtester Schüler ihn würdigte, ist die knappste Fassung dieser Laufbahn: Milgram nannte Asch sein wichtigstes wissenschaftliches Vorbild.

Sein Verhältnis zur eigenen Berühmtheit war das eines Mannes, der etwas anderes gemeint hatte. Asch verstand die Kartenversuche als Beitrag zu einer Gestaltfrage — wie ein Urteil im sozialen Feld zustande kommt —, nicht als Nachweis menschlicher Schwäche, und er hat mehrfach darauf hingewiesen, dass die Mehrzahl der Antworten in seinen Protokollen richtig war. Dass die Nachwelt aus einer Untersuchung über die Unabhängigkeit des Urteils eine Untersuchung über Anpassung machte, gehört zu den Ironien dieser Akte; er selbst hat sie mit einem Achselzucken kommentiert und weiter über Wahrnehmung geschrieben.

Asch starb am 20. Februar 1996 in Haverford, Pennsylvania, im Alter von 88 Jahren. Sein Nachruf im Fach war einhellig: der Gestaltpsychologe, der zeigen wollte, dass der Mensch der Wahrheit fähig ist — und der redlich genug war, das Gegenteil mitzupublizieren, als seine Daten es zeigten.

Kaum ein Versuchsaufbau des Fachs ist mit weniger Material ausgekommen: zwei Kartensätze, ein Seminarraum, acht Stühle — und eine Inszenierung, deren einzige Technik die Sitzordnung war.

Die Vorgeschichte der Studie ist eine Einrede. Muzafer Sherif hatte in den 1930er-Jahren gezeigt, dass Gruppen sich beim autokinetischen Effekt — dem scheinbaren Wandern eines Lichtpunkts im Dunkeln — auf gemeinsame Normen einigen, die jeder Einzelne übernimmt. Asch hielt das für keinen Beweis von Konformität: Wo der Reiz mehrdeutig ist, sei es vernünftig, sich an anderen zu orientieren. Die interessante Frage beginne dort, wo die Wirklichkeit eindeutig ist. Er baute deshalb eine Situation, in der das eigene Auge und die einstimmige Gruppe einander direkt widersprechen — und erwartete, als Gestaltpsychologe und erklärter Optimist der Wahrnehmung, dass die Menschen ihrem Auge folgen würden. Das Experiment, das als Kronzeuge der Konformität in die Lehrbücher einging, war als ihr Gegenbeweis geplant.

Die Aufgabe war denkbar einfach. Den Versuchspersonen wurden zwei Karten gezeigt: auf der einen eine Standardlinie, auf der anderen drei Vergleichslinien. Zu benennen war, welche der drei der Standardlinie in der Länge entspricht. Die Unterschiede waren deutlich — teils mehrere Zentimeter —; in der Kontrollbedingung ohne Gruppendruck lag die Fehlerquote unter einem Prozent. Es gab, mit Aschs Worten, nichts zu deuten: Die Situation prüfte nicht das Sehen, sondern das Standhalten.

Die beiden Karten des Linienversuchs
Abb. 2 — Die Aufgabe ist trivial — bis die Gruppe einstimmig falsch antwortet. Zeichnung des Archivs

Die Versuchsperson saß in einer Gruppe von sieben bis neun Personen, die scheinbar ebenfalls Teilnehmende waren, tatsächlich aber instruierte Mitarbeiter. Geantwortet wurde laut und der Reihe nach, wobei die naive Person als vorletzte an die Reihe kam — sie hörte also die meisten Urteile vor der eigenen Antwort. In der ersten Versuchsreihe ab 1951 am Swarthmore College nahmen 50 männliche Studenten teil; die ausführliche Monografie von 1956 berichtet 123 Versuchspersonen.

Von 18 Durchgängen verliefen sechs unauffällig. In den zwölf kritischen Durchgängen nannte die Gruppe einstimmig und selbstsicher eine offensichtlich falsche Linie. Die Frage war, ob die naive Person der eigenen Wahrnehmung folgt oder dem Urteil der Mehrheit. Die Protokolle beschreiben, was die Zahlen nicht transportieren: Menschen, die sich vorbeugten, die Karten anstarrten, lachten, flüsterten, sich die Augen rieben — die ganze Körpersprache eines Zeugen, der seiner eigenen Aussage nicht mehr traut.

Über alle kritischen Durchgänge hinweg schlossen sich die Versuchspersonen in etwa 37 Prozent der Fälle der falschen Mehrheit an. Etwa drei Viertel gaben mindestens einmal nach, rund ein Viertel blieb durchgehend unabhängig. Die Streuung war also groß — es gibt keine einheitliche Konformitätsrate, sondern sehr unterschiedliche Reaktionen auf dieselbe Situation. Asch selbst hat beide Lesarten formuliert und die dunklere nie verschwiegen: Dass gesunde, intelligente junge Leute bereit seien, Weiß Schwarz zu nennen, sei besorgniserregend — der Satz steht sinngemäß in seinen eigenen Schlussfolgerungen.

Aschs Variationen zeigten, woran der Effekt hängt. Entscheidend ist die Einstimmigkeit: Ein einziger Verbündeter, der die richtige Antwort nennt, reduziert das Nachgeben drastisch — und zwar auch dann, wenn dieser Verbündete eine andere falsche Antwort gibt als die Mehrheit. Es ist nicht die Bestätigung, die befreit, sondern der gebrochene Konsens. Die Gruppengröße wirkt dagegen nur bis etwa drei bis vier Personen; darüber hinaus steigt der Druck kaum noch. Durfte die Versuchsperson schriftlich antworten, während die anderen laut urteilten, sank das Nachgeben deutlich — ein Hinweis darauf, dass hier weniger die Wahrnehmung kippt als die Bereitschaft, öffentlich allein zu stehen.

In den Nachbefragungen unterschied Asch verschiedene Gründe für das Nachgeben: Zweifel am eigenen Urteil, die — seltene — Überzeugung, die Gruppe müsse recht haben, und, am häufigsten, das Wissen um die richtige Antwort bei gleichzeitiger Scheu, als Einzige davon abzuweichen. Die Verzerrung sitzt also meist nicht im Auge, sondern in der Aussage; der Konflikt wird nicht gelöst, sondern verschwiegen.

Auch die Unabhängigen waren kein einheitlicher Schlag. Aschs Protokolle unterscheiden den Selbstgewissen, der die Mehrheit schlicht für fehlinformiert hält; den Zurückgezogenen, der nach innen urteilt und die anderen kaum registriert; und den Angespannten, der jede Abweichung als Zumutung erlebt und trotzdem bei seiner Antwort bleibt. Unabhängigkeit, das ist die stille zweite Hälfte des Befunds, hat viele Temperamente — und nur eine winzige Minderheit der Nachgebenden berichtete, die falsche Linie tatsächlich so gesehen zu haben; die Wahrnehmung selbst erwies sich als erstaunlich druckfest.

Die begriffliche Ernte zogen 1955 Morton Deutsch und Harold Gerard mit einer Unterscheidung, die seither jede Einführung trägt: normativer Einfluss — man folgt, um dazuzugehören — gegen informationalen Einfluss — man folgt, weil man die anderen für besser informiert hält. Ihre Variante des Linienversuchs zeigte beides sauber getrennt: Anonyme Antworten senkten das Nachgeben, ließen aber einen Rest stehen. Und Serge Moscovici drehte die Anordnung in den 1960er-Jahren um: Auch eine konsequente Minderheit kann eine Mehrheit bewegen — langsamer, unsichtbarer, über das Nachdenken statt über den Druck. Aschs Paradigma erwies sich als Bauplatz für das halbe Fach.

Die Rezeption hat aus diesem differenzierten Befund ein Schlagwort gemacht, und die Akte über diese Rezeption gehört zur Akte. Ronald Friend, Yvonne Rafferty und Dana Bramel werteten 1990 aus, wie Lehrbücher die Studie über drei Jahrzehnte dargestellt hatten: Die Betonung wanderte stetig zum Nachgeben — 37 Prozent Konformität —, während der komplementäre Befund, dass zwei Drittel der Urteile unabhängig blieben und ein Viertel der Personen nie nachgab, aus den Zusammenfassungen verschwand. Ausgerechnet die Studie, die Unabhängigkeit demonstrieren sollte, wurde zum Beleg menschlicher Formbarkeit — nicht durch neue Daten, sondern durch Nacherzählung. Es ist derselbe Mechanismus, den die Lehrbuchforschung bei Little Albert fand, nur mit umgekehrtem Vorzeichen.

Eine zweite Herausforderung kam aus der Zeit selbst. Stephen Perrin und Christopher Spencer wiederholten die Anordnung 1980 mit britischen Ingenieurstudenten und fanden fast kein Nachgeben — ihr Schluss: Aschs Befund sei ein „Kind seiner Zeit“, geboren aus dem Anpassungsklima der McCarthy-Jahre. Die Antwort des Fachs war eine der großen Metaanalysen der Sozialpsychologie: Rod Bond und Peter Smith trugen 1996 133 Asch-Studien aus 17 Ländern zusammen. Der Effekt existiert überall, variiert aber systematisch — er ist seit den 1950er-Jahren in den USA tatsächlich leicht gesunken und fällt in kollektivistisch geprägten Gesellschaften größer aus als in individualistischen. Die Situation wirkt, aber die Kultur stellt den Regler.

Das Nachleben des Paradigmas reicht inzwischen bis in die Physiologie des Urteils: Bildgebungsstudien der 2000er-Jahre legten nahe, dass das Nachgeben gegenüber einer Gruppe nicht nur die Antwort, sondern Aktivität in wahrnehmungsnahen Arealen verschiebt, und dass das Alleinstehen gegen die Mehrheit die Signatur von Furcht trägt — Befunde, die vorsichtig zu lesen sind, aber Aschs Nachbefragungen ein neuronales Echo geben: Abweichen kostet, und der Preis ist messbar.

Praktisch folgenreich geworden ist die Anordnung dort, wo Aussagen entstehen. Wenn zwei Personen dasselbe Ereignis gesehen haben und anschließend miteinander sprechen, übernimmt ein erheblicher Teil Angaben, die nur der andere gemacht hat, und berichtet sie später als eigene Wahrnehmung — der Effekt ist unter dem Namen Mitzeugenbeeinflussung vielfach gemessen und verbindet diese Akte mit der von Loftus. Die Empfehlung, die daraus folgt, ist ebenso unspektakulär wie die dortige: Zeuginnen und Zeugen früh und getrennt befragen, bevor die Gruppe sich einigt.

Was heute steht: der Grundbefund, in einer Breite, die wenige Klassiker erreichen — Konformität gegenüber einer einstimmig irrenden Mehrheit tritt zuverlässig auf, hängt an Einstimmigkeit und Öffentlichkeit der Antwort und streut stark über Personen und Kulturen. Was die Rezeption daraus machte, steht daneben als eigener Befund über das Fach. Und die Linie zu Milgram ist direkt und personell: Der Assistent, der in Princeton Aschs Konformitätsband redigierte, ersetzte wenige Jahre später die irrende Mehrheit durch eine anweisende Autorität — und verschob damit die Frage von der Wahrnehmung auf die Verantwortung.

Asch selbst hätte seine Studien vermutlich nicht Konformitätsexperimente genannt. Der Titel seiner Monografie von 1956 lautet Studies of independence and conformity — Unabhängigkeit steht voran. In seiner Lesart war das bemerkenswerte Ergebnis, dass rund zwei Drittel aller kritischen Antworten korrekt blieben, obwohl die gesamte Gruppe das Gegenteil behauptete.

Friend, Rafferty und Bramel haben 1990 nachgezeichnet, wie sich die Darstellung in Lehrbüchern über die Jahrzehnte verschob: von Aschs Betonung des Widerstands hin zur Erzählung vom leicht formbaren Menschen. Der Befund blieb gleich, der Rahmen wurde umgedreht.

Für ein Archiv der Psychologie ist das der interessantere Fall: Nicht die Daten wurden revidiert, sondern ihre Erzählung. Wer die Studie als Beleg für Herdenverhalten zitiert, zitiert eine Rezeption, nicht das Ergebnis.

Methodisch bleibt die Beschränkung der Stichprobe. Die Versuchspersonen waren junge männliche Studenten in den USA der frühen 1950er-Jahre — eine Gruppe, für die soziale Anpassung in einem spezifischen historischen Klima stand. Wie stark der Effekt kulturell und zeitlich variiert, hat erst die Metaanalyse von Bond und Smith 1996 systematisch beziffert.

Bemerkenswert ist zudem, was die Gruppe hier nicht tut: Sie droht nicht, sie argumentiert nicht, sie bemerkt die abweichende Antwort nicht einmal ausdrücklich. Der Druck entsteht allein aus der Einstimmigkeit. Genau darin liegt die Verbindung zu Milgram, der wenige Jahre später eine einzelne Autorität an die Stelle der einstimmigen Gruppe setzte.

Replikationsstatus: repliziert.

Das Linienurteil ist eines der am häufigsten wiederholten Paradigmen der Sozialpsychologie. Die Metaanalyse von Rod Bond und Peter Smith fasst 1996 133 Studien aus 17 Ländern zusammen, die Aschs Aufgabe verwendet haben. Der Konformitätseffekt zeigt sich darin durchgängig; die Aufgabe ist einfach genug, um sie über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg unverändert zu stellen.

Die Metaanalyse benennt zugleich Moderatoren. Konformität fällt höher aus in Kulturen mit stärker kollektivistischer Orientierung, sie steigt mit der Mehrdeutigkeit der Aufgabe und mit dem Anteil der Mehrheit, und sie war in den USA in den 1950er-Jahren höher als in späteren Jahrzehnten. Der Effekt ist also stabil, seine Stärke aber kontextabhängig.

Der Status repliziert bezieht sich damit auf das Phänomen, nicht auf eine feste Zahl. Die häufig zitierten 37 Prozent gelten für Aschs Bedingungen, nicht als Konstante.

Primärquellen:

  • Asch, S. E. (1951). Effects of group pressure upon the modification and distortion of judgments. In H. Guetzkow (Hrsg.), Groups, Leadership and Men (S. 177–190). Carnegie Press.
  • Asch, S. E. (1956). Studies of independence and conformity: I. A minority of one against a unanimous majority. Psychological Monographs, 70(9), 1–70.

Replikation und Einordnung:

  • Bond, R., & Smith, P. B. (1996). Culture and conformity: A meta-analysis of studies using Asch's line judgment task. Psychological Bulletin, 119(1), 111–137.
  • Friend, R., Rafferty, Y., & Bramel, D. (1990). A puzzling misinterpretation of the Asch „conformity“ study. European Journal of Social Psychology, 20(1), 29–44.

Übersicht: https://de.wikipedia.org/wiki/Konformitätsexperiment_von_Asch

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