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AnamneseArchiv der Psychologie

Mindestens zwei Zeichen

Thema 03

Forschungsethik

BehaviorismusEntwicklungSozialpsychologieKlinik & Therapie

Der Ordner Entwicklung liefert dieser Frage ihren härtesten Fall, und zwar ohne Versuchsleiter: Die rumänischen Heimkinder, die nach 1989 nach England adoptiert wurden, sind das Experiment, das niemand hätte ansetzen dürfen — schwere frühe Deprivation, unterschiedliche Dauer, jahrzehntelange Nachbeobachtung. Was daraus über Aufholen und Bleibendes gelernt wurde, ist belastbar und wurde mit Leid bezahlt, das die Forschung nicht verursacht, aber genutzt hat. Die Ethik solcher Naturexperimente — wer darf beobachten, was er nicht verhindern konnte — steht neben Milgram und Zimbardo als die leisere Hälfte dieses Themas.

Die Forschungsethik der Psychologie ist an ihren eigenen Studien gewachsen, und die Akten dieses Themas sind ihre Anlässe. John B. Watson konditionierte 1920 einem Säugling Furcht an und trainierte sie nicht wieder ab. Stanley Milgram ließ Versuchspersonen glauben, sie fügten einem Menschen Schmerzen zu. Philip Zimbardo war im eigenen Experiment Gefängnisdirektor und Versuchsleiter zugleich.

Diana Baumrinds Einwand gegen Milgram von 1964 formulierte das Grundproblem: Eine nachträgliche Aufklärung macht eine Belastung nicht ungeschehen, und die Zustimmung zu einem Versuch, dessen wahre Anlage man nicht kennt, ist keine informierte Zustimmung. Aus dieser Debatte sind die Ethikkommissionen hervorgegangen, die heute jedes Vorhaben prüfen.

Stationen der Forschungsethik
Die Regeln von heute sind aus den ersten Zeilen dieser Liste gemacht. Zeichnung des Archivs

Der Preis dieser Regeln gehört zur ehrlichen Darstellung dazu. Little Albert ist unter heutigen Standards nicht wiederholbar, Milgram nur in abgeschwächter Form — Jerry Burgers Nachbau von 2009 bricht bei 150 Volt ab und rechnet hoch. Was die Ethik schützt, entzieht sie zugleich der Prüfung. Diese Akten stehen deshalb nicht nur für vergangenes Unrecht, sondern für eine offene Frage: Wie prüft man Befunde, deren Erhebung man zu Recht verboten hat?

Zur Ehrlichkeit gehört, dass die Regeln nicht aus Einsicht entstanden sind, sondern aus Anlässen. Der Nationale Forschungsgesetz-Erlass der Vereinigten Staaten von 1974 und der Belmont-Bericht von 1979 folgten nicht auf die psychologischen Experimente dieses Archivs, sondern auf die Tuskegee-Studie, in der schwarzen Männern über vierzig Jahre eine wirksame Behandlung vorenthalten wurde. Die Ethikkommissionen, die heute jedes Vorhaben prüfen, sind das Ergebnis eines Skandals in der Medizin, und die Psychologie hat sich ihnen angeschlossen.

Die Täuschung ist der Punkt, an dem das Fach bis heute uneins ist. Ohne sie sind Milgrams Frage und Aschs Anordnung nicht zu stellen — wer weiß, dass die Gruppe eingeweiht ist, verhält sich nicht wie jemand, der es nicht weiß. Die geltende Praxis erlaubt Täuschung deshalb nicht grundsätzlich nicht, sondern knüpft sie an Bedingungen: kein anderer Weg zur Fragestellung, keine erhebliche Belastung, Aufklärung unmittelbar danach.

Ob Aufklärung genügt, ist eine empirische Frage und keine moralische Formel. Milgram ließ seine Teilnehmenden ein Jahr später befragen; die große Mehrheit gab an, die Teilnahme nicht zu bereuen. Das ist eine Selbstauskunft von Menschen, die wissen, wer fragt, und es entlastet die Anordnung nicht — aber es gehört zur Akte, weil die verbreitete Erzählung von durchweg traumatisierten Versuchspersonen so nicht belegt ist.

Der Ordner Klinik und Therapie fügt dem Thema zwei Fälle hinzu, die nicht von Täuschung handeln. Der erste betrifft das Tier: Seligmans Triadenversuche setzten eine Gruppe von Hunden absichtlich einem Schmerz aus, dem sie nicht ausweichen konnte, weil genau darin die Bedingung bestand — in dieser Form wären sie heute nicht mehr genehmigungsfähig, und ihr Urheber hat später gesagt, er habe die Arbeit mit Hunden nicht länger ansehen können. Der zweite betrifft die Verwendung: Dieselbe Forschung wurde nach 2001 von Psychologen herangezogen, die für einen Nachrichtendienst Verhörverfahren entwickelten. Der unabhängige Untersuchungsbericht von 2015 fand keine Belege dafür, dass Seligman von dieser Verwendung wusste; die Frage, welche Verantwortung ein Forscher für die Anwendung seiner Befunde trägt, beantwortet er damit nicht.

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