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AnamneseArchiv der Psychologie

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Thema 02

Die Replikationskrise

BehaviorismusKognitionspsychologieSozialpsychologieKlinik & Therapie

Seit den 2010er-Jahren steht die Frage im Raum, wie viele der etablierten Befunde der Psychologie einer Wiederholung standhalten. Die Open Science Collaboration veröffentlichte 2015 den Versuch, 100 Studien aus drei führenden Zeitschriften zu replizieren; in rund einem Drittel der Fälle ließ sich das ursprünglich signifikante Ergebnis erneut zeigen, und die Effektstärken fielen im Mittel deutlich kleiner aus.

100 Studien, erneut durchgeführt
Die Nachprüfung von 2015: rund ein Drittel hielt, und auch das kleiner. Zeichnung des Archivs

Für ein Archiv der Psychologie ist das kein Randthema, sondern ein Ordnungsprinzip: Jede Akte in dieser Sammlung führt einen Replikationsstatus. Die drei Fälle der Sozialpsychologie zeigen die ganze Spannweite — von einem robust wiederholten Paradigma über eine nur teilweise gesicherte Anordnung bis zu einer Studie, deren Grundlage die Archivarbeit entkräftet hat.

Die Krise ist kein Einbruch von außen, sondern das Ergebnis einer Selbstprüfung. Sie hat einen klar benennbaren Auslöser: Daryl Bems Aufsatz von 2011, der in einer angesehenen Zeitschrift und mit den üblichen Methoden zu dem Schluss kam, Menschen könnten zukünftige Ereignisse vorwegnehmen. Die Methoden waren Standard, das Ergebnis wissenschaftlich höchst unplausibel — was die Frage aufwarf, was die Methoden sonst noch hervorbringen können.

Die Diagnosen, die darauf folgten, betreffen nicht die Redlichkeit einzelner Forschender, sondern Anreize. Unterdimensionierte Stichproben, Auswertungen mit vielen offenen Entscheidungen, eine Publikationspraxis, die nur signifikante Ergebnisse druckt: Jedes für sich ist eine kleine Nachlässigkeit, zusammen erzeugen sie eine Literatur, in der zu viele Befunde zu gut aussehen.

Was daraus geworden ist, gehört zur Krise dazu. Vorregistrierung, geteilte Daten, Mehrlabor-Studien mit Tausenden Teilnehmenden: Many Labs 2 prüfte 2018 achtundzwanzig klassische Befunde in dutzenden Ländern und trennte dabei sauber, was hält, von dem, was nicht hält. Kahnemans Prospect Theory hat bestanden; ein Kapitel seines eigenen populären Buches nicht, was er 2017 öffentlich eingeräumt hat.

Für dieses Archiv folgt daraus eine Regel und keine Stimmung. Ein Befund, der nicht repliziert wurde, ist deshalb nicht falsch, und einer, der repliziert wurde, ist deshalb nicht wahr — er ist nur besser gestützt. Der Replikationsstatus auf jeder Akte ist eine Angabe über die Beweislage, nicht ein Urteil über die Person, die den Befund erhoben hat.

Der Ordner Klinik und Therapie zeigt dieselbe Bewegung an einem Feld, das davon selten in Verbindung gebracht wird. Die kognitive Verhaltenstherapie ist das am besten untersuchte Gesprächsverfahren überhaupt — und gerade deshalb lässt sich an ihr zeigen, wie stark Publikationsbias und Studienqualität die Bilanz verschieben: Die Effekte der frühen Arbeiten waren zu groß, die korrigierten sind kleiner und halten. Die positive Psychologie, die aus derselben Ecke kommt, hat härter verloren. Und die Umkehrung der erlernten Hilflosigkeit durch ihre eigenen Urheber gehört in dieses Kapitel, weil sie zeigt, wie eine Selbstkorrektur aussieht, die nicht durch eine Krise erzwungen wurde, sondern durch bessere Methoden.

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